Montag, 29. Juli 2019

Zurück zu Bleistift und Papier?

In vielen Unternehmen könnte das durchaus ein ernst zu nehmendes Szenario sein. Aus der Erfahrung weiß ich zu gut, wie die IT in kleinen und mittleren Unternehmen aufgebaut und organisiert ist. Die Sperrung des Amazon-Kontos stellt da das kleinste Problem dar. Und auch ich muss mir Gedanken für den Notfall machen. So wirklich "safe" (sicher) ist meine IT-Infrastruktur noch lange nicht.


Der Verlust von ein paar Urlaubsfotos ist ärgerlich, stellt aber keine existenzbedrohende Krise dar. Ist die Datenbank der Warenwirtschaft, Produktfotos und die komplette elektronische Geschäftskorrespondenz plötzlich verschlüsselt und unbrauchbar, sieht die Sache schon anders aus. Dahinter müssen noch nicht einmal schwerkriminelle Erpresser aus Osteuropa stecken. Auch ein Mitbewerber könnte ein Interesse haben, sich auf diesem Weg der unliebsamen Konkurrenz zu entledigen.

Die entsprechenden Baukästen gibt es für relativ wenig Geld im Darknet zu kaufen. Und eine personalisierte Phishingmail mit Angehängter Schadsoftware lässt sich Dank Facebook und Co. sehr schnell schreiben. Die Informationen werden einem täglich frei Haus in den entsprechenden Gruppen geliefert. Als Online-Händler würde ich mir also stark überlegen, ob ich in Facebook-Gruppen wie Wortfilter allzu redselig meine Probleme zur Diskussion stelle.

Es ist also keine Binsenweisheit, dass eine gut funktionierende IT-Infrastruktur elementar für den Erfolg eines Online-Business ist. Nur gehen leider viel zu viele sehr blauäugig mit der Materie um.  Wenn etwas nicht funktioniert, muss das nicht unbedingt ein Bug sein. Dahinter könnte auch eine Sicherheitsfunktion mit Sinn stecken. Genauso kann eine Funktion in einer Software ein Sicherheitsrisiko darstellen, wie die Makrofunktion in Microsoft Office. Schadsoftware wie die Malware Enotet nutzen diese Schwachstelle als Einfallstor gnadenlos aus.

OpenWRT unterbindet standardmäßig die Auflösung von Domänennamen, die eine private IP-Adresse besitzen. Das soll verhindern das ein Netzwerk über eine DNS-Rebind-Attacke angreifbar ist. Dieser Schutz ist auch bei anderen Herstellern aktiv, z. B. Fritzbox. Das Abschalten dieser Sicherheitsfunktion erhöht natürlich das Risiko, dass diese Schwachstelle von einem Angreifer bei Erkennung ausgenutzt wird. Entsprechende Werkzeuge sind im Darknet auch verfügbar.

In meinem Testlabor musste ich diese Sicherheitsfunktion deaktivieren. Allerdings ist der virtuelle Router mit OpenWRT auch nicht direkt mit dem Internet verbunden. Im produktiven Betrieb sollte aber eine solche Änderung am System nicht durchgeführt werden. Welche folgen eine Infektion mit einem Erpressungstrojaner haben kann, ist sehr deutlich im folgenden Link nachzulesen. Das darin eingebettete Video ist absolut empfehlenswert.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Zurueck-zu-Bleistift-und-Papier-Schadsoftware-legt-Klinikserver-lahm-4473927.html

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